Eingriffe in öffentlichen Raum  
Im Projekt ›Eingriffe in öffentlichen Raum: Blütenträume‹ wird die Ansaat von blühenden Wild- und Kulturpflanzen auf privaten und öffentlichen Flächen und Brachen initiiert, um in Hamburg neue Lebensräume (Bienenweiden) für die Honigbiene zu schaffen. Jeder Bürger ist eingeladen mitzumachen und damit bewusst in öffentlichen Raum einzugreifen und ihn für Natur und Mensch zu gestalten. Der erzeugte Honig steht auch als Bild für geistigen Nährstoff.

Entstanden ist das Projekt ›Eingriffe in öffentlichen Raum: Blütenträume‹ im Seminar Sozialer Organismus(1) an der Freien Kunstschule Hamburg – FIU. Ausgehend von Fragen nach Werkzeugen zur Gestaltung unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens, Werkzeugen zur Arbeit an der ›Sozialen Plastik‹, haben wir unterschiedliche in diesem Zusammenhang not-wendige Begriffe(2) angeschaut: Arbeit und Einkommen, Kunst und Kapital, Kreativität und Eigentum, Demokratie.

Im Laufe der Bearbeitung dieser Begriffe kam es im Frühjahr 2009 zur Initiative, nicht nur auf der denkerischen Ebene in den gesellschaftlichen Raum einzugreifen, sondern dies durch praktische Eingriffe in den natürlichen Raum zu ergänzen, den Stier gewissenmaßen bei beiden Hörnern zu packen. Eine erste kleine Wiese in Sternschanze wurde als Testfeld bearbeitet und mit einer entsprechenden Mischung besät(3). An dieser Wiese zeigte sich später, dass auch die Eingriffe in den natürlichen Raum viele Kenntnisse und eine genaue Vorbereitung erfordern. Dennoch konnten wir – und vor allem viele Hummeln – uns an unterschiedlichen Blüten erfreuen: Mohn, Ringelblume, Margerite, Borretsch, Kornblume, Kamille, Lein ...

Da zu dieser Zeit die Initiative der Körber-Stiftung ›Anstiften! 50 Impulse für Hamburg‹ lief, haben wir uns entschlossen, unsere Ansätze als Projekt zu beschreiben und als Antrag bei der Körber-Stiftung einzureichen.

Durch die Förderung der Körber-Stiftung und unseres Unternehmenspartners Vladi Private Islands können wir nun zum einen daran gehen, das Säen der Wiesen auf eine breitere Grundlage zu stellen und im Frühjahr 2010 einige repräsentative Flächen blühen zu lassen.

Zum anderen können wir diese Aktionen auch stärker nach außen hin durch einen Einblick in die Gedankenprozesse zu begleiten, die uns auf den Weg geführt haben. Dies erfolgt im Wesentlichen durch unsere laufende Vortragsreihe.

Jetzt fehlt nur noch das Bindeglied zwischen diesen beiden Polen der inneren und äußeren Arbeit: Mit der Hilfe vieler Honigbienen erzeugen wir aus den gesäten Blumen den wertvollen Nährstoff Honig. Dieser kommt unserem natürlichen Organismus zu gute und gibt uns in einem Parallelprozess die symbolische Kraft, auch weiter in die Begriffsarbeit für die Erkenntnis des Sozialen Organismus einzudringen, zur Gestaltung der Sozialen Plastik – einer Arbeit, in jeder Mensch ein Künstler ist.

So schließt sich der Kreis.

(1) Das Seminar Sozialer Organismus ist aus dem Arbeitskreis Grundeinkommen entstanden, in dem wir uns auf die Bearbeitung der Einkommensfrage beschränkten.
(2) ›Die Begriffe … sind die Griffe, mit denen man die Dinge bewegen kann.‹ Bert Brecht, Flüchtlingsgespräche
(3) Auch die praktische Arbeit an der Natur kommt ohne ein Umdenken der gängigen Ansichten nicht aus: Nicht kurzgeschorene Rasenflächen, einseitig gezüchtete ›Zier‹pflanzen und ausländische Stauden stehen für eine intakte natürliche Umwelt, sondern standortgerechte einheimische Blütenpflanzen und Kräuter. Für viele Menschen wird es somit nötig werden, bei der Naturbetrachtung einen neuen Ästhetikbegriff zu entwickeln und die Vorstellung von ›schön‹ zu überdenken.
  Das Projekt wird gefördert von:

Anstiften! 50 Impulse für Hamburg / Körber-Stiftung


Vladi Private Islands


Träger des Projektes:
Freie Kunstschule Hamburg - FIU e. V.